Bozen — 4.Tag — 6.10.

Mittwoch, Oktober 6, 2021 at 20:05:31

Vierter Tag 6.10.

Zum Frühstück gab es heute einheimische Weintrauben, Der Geschmack ist ungewohnt, sehr viel süßer, aber auch erdiger. Auf jeden Fall bekam man kein Bauchweh, in Ordnung waren die Weintrauben also. Ansonsten könnte es ruhig mal Eier zum Frühstück geben. Immer nur gekochter Schinken oder namenloser Käse wird langsam langweilig, Das ist aber keine echtes Klagen, das Frühstück ist schon in Ordnung!

Da auch für heute reichlich Regen im Programm war, hatten wir für den Vormittag einen Besuch im Museion, Museum für zeitgenössische und moderne Kunst, angesetzt. Auch dieses Museum liegt fußläufig vielleicht 5 min vom Hotel. Mit der Lage haben wir definitiv nichts falsch gemacht, zumal am Kreisverkehr am Siegesplatz alle Buslinien Richtung Süden und Südosten halten.

Im Museion findet aktuell eine Sonderausstellung zum Thema “Techno” statt. Wie immer bei moderner Kunst scheint mir ein erheblicher Teil der Kunst Selbstüberschätzung und/oder Hochstapelei zu sein.

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Sanne und die Gespenster

Die Texte im Begleitheft strotzen nur so vom Klassenkampf und wenn sich drehende Seilenden auf den Sex nach der Erschöpfung hinweisen sollen, bin ich etwas skeptisch. Nichtsdestotrotz bleiben die anderen Kunstwerke, die zuverlässig gute Laune machen.

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Fake Dreams Catcher

Heute z.B. der Fake Dreams Catcher oder eine durschreitbarer LED Vorhang, der über durchaufenden Text auf die Herkunft des Internets aus dem Militär, das wissen sicher die meisten, aber auch auf die Herkunft des Wortes “Nostalgie” aus einer Beschreibung der Krankheit von Schweizer Söldnern im 17. Jhdt, hinwies. Spannend!

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Fake Dreams Catcher

Bestimmt sind es für jeden andere “gute” Kunstwerke, deswegen lohnt sich die ganze Ausstellung auf jeden Fall. Ich hätte mir für mich früher nicht vorstellen können, dass mir moderne Kunst je so gute Laune machen würde. Das funktioniert fast immer!

Am Nachmittag sind wir auf die Burg Sigmundskron gefahren, eines der Museen von Reinhold Messner, das er zur Würdigung der Berge und der Bergkultur eingerichtet hat. Vorher wussten wir nichts über diese Museen, außer, dass sie teils spektakuläre Architektur in die Bergwelt gepflanzt haben. Wir waren dann erstmal sehr positiv überrascht, dass diese Burg nur 20 min Busfahrt vom Hotel entfernt liegt. In Berichten waren die Besucher angetan, betonten aber immer “die vielen Treppen”.

Unser Fazit ist völlige Begeisterung! Die Burg ist unglaublich liebevoll und reichhaltig renoviert und in ein Gotteshaus für alle Götter der Welt, insbesondere aber alle Berggötter verwandelt worden. Das ganze Gelände strahlt ungeheure Harmonie und Ruhe aus. Die Besucher scheinen sich nur sehr vorsichtig und von der Stätte beeindruckt zu bewegen. Natürlich geht es auch um die 15 Achttausender, die Messner bestiegen hat, jedoch ganz ohne Kult um seine Person. Viel mehr wurden Gedenkräume für Bergsteiger eingerichtet, die an deren Leistung auch für das Verständnis der Bergwelt erinnern sollen. Übrigens gibt es drei Kriterien, um in Messners Hall of Fame of Mountaineering zu kommen:
- Man muss toller Bergsteiger sein.
- Man muss bereit sein in der Liste zu erscheinen.
- Man muss “es” überlebt haben, also mindestens 70 Jahre alt sein.

Es geht aber in 90 Prozent der Anlage eher um hinduistische Gottheiten, Aphorismen, das tibetanische Totenbuch und berühnte Lamas, Franz von Assisi, den Südtiroler Freiheitskampf und die sprituellen Grenzerfahrungen von Extrembergsteigern. Dazu überall Skulpturen vom Zwerg bis zur riesigen Vishnu Statue, eine verzaubernde Grotte mit Kristallen und Südamerikanischer Kunst, es gibt einen Raum mit tibetanischen Gesängen, geheime Treppen und Versteinerungen aller Erdzeitalter und übrhaupt unglaublich viel zu sehen! Der Ausflug war ein totaler Glücksgriff! Wer je in die Nähe kommt, muss dort mal hin!

Die Burg ist als befestigte Anlage bis in die Steinzeit zurück nachgewiesen und zumindest in der überlieferten Zeit aufgrund ihrer natürlichen Lage nie erobert worden. Geschichte wird fühlbar, wenn man liest, dass auf diesem Berg ein Augsburger Bischof im 10. Jhdt immer auf dem Weg nach Rom hier halt gemacht und die Messe gelesen hat. Der Kelch, den er dazu genutzt hat, wird noch gegen 1487 in der Inventarliste der Burg aufgeführt. Dieser Kelch ist jetzt länger verschwunden, als Amerika entdeckt. Das muss man mal sacken lassen!

Für mich als Flachländer war auch die Panoramaaussicht überwältigend. Ein Berg, den wir am Sonntag noch grün gesehen hatten, ist nun schneebedeckt! Am Horizon Richtung Meran lagen die Gipfel der Alpen ebenfalls bereits unter Schnee in der gleissenden Sonne (von der auf der Burg leider nichts ankam). Gut, dass Digitalfotos leicht zu löschen sind. Meinen Vorrat an Film hötte ich heute auf jeden Fall sonst aufgebraucht.

Das nicht so tolle Wetter erwies sich so als Glücksfall! Ohne den Regen und die Wolken hätten wir ein Reinhold Messner Museum vermutlich links liegen lassen. Der Mann, davon bin ich jetzt überzeugt, hat eine konsistente Philosophie vom Leben und kann diese auch vermitteln!
(Und er kann Latein und die Sprache gefällt ihm, sogar ein eingenes Zitat auf Latein von ihm hängt am Ausgang)

Ach ja; Das mit den Treppen stimmt. Unglaublich viele!

Einzelne Bilder lohnen hier nicht, deshalb gleich eine ganze Gallerie!

Zurück ging es dann wieder mit dem Bus bis in die Bozener City, wo der Abend bei Speckknödeln mit Rindsgulasch bzw. Schlutzkrapfen mit Spinat und Quark eingeläutet wurde. Auch das ein Genuss!

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